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Sächsische Zeitung, 14. April 2009

Chefs zeigen sich familienfreundlich

In den Unternehmen wird nach Angaben der sächsischen Wirtschaftskammer erkannt, dass von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie „sowohl die Mitarbeiter als auch die Firmen profitieren“. Die meisten Firmen wollen mit solchen Methoden ihre Mitarbeiter halten und haben deshalb Familienfreundlichkeit in ihre Firmenphilosophie geschrieben. Rund 1000 Firmen mit mehr als 67000 Mitarbeitern nahmen an der Umfrage teil.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich ein differenziertes Bild. Jedes fünfte Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter mit Familienpflichten. In knapp der Hälfte der Firmen weiß man nichts über Belastungen durch pflegebedürftige Angehörige. „Bei der Personalentwicklung besteht Nachholbedarf“, räumt Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann von der IHK zu Leipzig ein.

Teilzeitarbeit verbreitet

Wenn die Familienpflichten aber bekannt sind, engagiert sich so gut wie jedes Unternehmen. Bei einer Befragung im Jahr 2006 berichteten 74 Prozent der IHK- und 39 Prozent der Handwerks-Betriebe von eigenen Maßnahmen zur Unterstützung von Mitarbeiterfamilien.

Als „familienfreundlich“ gelten viele Maßnahmen: Platz eins belegen flexible oder Teilarbeitszeit und familienfreundliche Termine für Besprechungen oder Übergaben. Auf Arbeitszeitkonten setzt Geschäftsführer Helmut Lutzmann von der Vandemoortele Deutschland GmbH – der Dresdner Margarinefabrik, in der 85 Beschäftigte im Dreischichtsystem arbeiten. Lutzmann berichtet, dass auf den Arbeitszeitkonten „Mehrarbeitsstunden aus Stoßzeiten“ gesammelt werden. Der Monatslohn bleibt unabhängig von der Arbeitszeit gleich. „Bei Bedarf können Mitarbeiter die Stunden bezahlt frei nehmen“, erläutert Lutzmann.

Alleinerziehende bekommen bis zu ein Jahr lang besondere Schichtpläne, beispielsweise ohne Spätschicht. „Familienfreundlichkeit bedeutet für uns eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Familienleben“, sagt Lutzmann.

Thomas Flügge von der VCDB Verkehrsconsult Dresden-Berlin GmbH zahlt Zuschüsse zu den Kosten für Kinderbetreuung und -essen. Für Arbeitszeitkonten reiche die Mitarbeiterzahl von 30 nicht. Dafür bietet das Ingenieurbüro Wandertage, Grillabende und Sportveranstaltungen für die Mitarbeiterfamilien. Mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer gewähren Vergleichbares. Bei der Kinderbetreuung dagegen dünnt die Hilfe aus. Sechs der 1000 befragten Firmen bieten eine eigene Kindertagesstätte. Weitere zehn reservieren Betreuungsplätze in Kitas.

Kaum gemeinsame Kitas

„Die Möglichkeit gemeinsamer Betreuungsangebote mit anderen Unternehmen wird kaum genutzt“, heißt es im Bericht der Kammern. Weniger als jedes fünfte Unternehmen schult Kollegen nach der Eltern- oder Pflegezeit.

Jedes fünfte Unternehmen klagt über organisatorische und finanzielle Schwierigkeiten durch Familienfreundlichkeit. Die Organisation der Elternzeit sehen sechs von zehn Unternehmen als problematisch an. Insgesamt sind die Firmen mit ihrer Hilfe zufrieden, sagte IHK-Geschäftsführerer Hofmann. Er ermuntert zögerliche Firmen zum Mitmachen: Damit hätten sie im Wettbewerb um kluge Köpfe langfristig die Nase vorn.

www.dresden.ihk.de

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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