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Ärztezeitung, Januar 2010

DRESDEN. Eine Delegation namhafter russischer Medizinexperten reist derzeit auf Wissenstour durch deutsche Krankenhäuser, Behörden und Einrichtungen. Die
21 Teilnehmer wollen auf ihrer Exkursion praktisch alles über die Organisation des Gesundheitssystems wissen und wie es in der Realität funktioniert. Die Mediziner sind Teilnehmer des „Präsidentenprogramms“ der Regierung Russlands, bei dem russische Top-Manager und deutsche Unternehmen voneinander lernen sollen.

In der privatärztlichen „Epidaurus“-Praxis in Dresden ließ sich Kardiologe Dr. Carsten Nolte über die Schulter schauen. „Die Kursteilnehmer können hier lernen, wie man sich als Praxis am Markt aufstellen kann und, wie man als Mediziner erfolgreich in einem Netzwerk arbeitet“, sagte Dr. Nolte. Die Ärzte und Trainer der 2008 gegründeten „Epidaurus“ haben sich präventiven, komplementärmedizinischen und gesundheitspsychologischen Angeboten in Kardiologie und Orthopädie verschrieben. Die russischen Mediziner interessierten sich sowohl für das Große und Ganze als auch für die Technik. Kardiologe Dr. Nolte ließ sich Löcher in den Bauch fragen.

Poliklinikdirektor Lev Kudyakov aus Tomsk hakte nach, wie das mit den Netzwerken speziell bei Polikliniken funktioniere, weil er diese Struktur für sein Haus plane. Chefarzt Igor Nabatow eines Krankenhauses aus dem Kirover Gebiet zeigte sich beeindruckt von neuen Ansätzen in der Osteopathie, die er auf jeden Fall daheim nutzen möchte. Höchstes Interesse fand ein Ultraschallgerät, dass beispielsweise Cholesterinablagerungen sofort farbig kenntlich macht. Die Kinderärztin und Fachärztin für Nephrologie Maria Maslova aus Petersburg leitet derzeit den Aufbau einer Klinik in St. Petersburg (vormals Leningrad). Bei dem Pilotprojekt geben private Investoren Geld zum Bau eines staatlichen Krankenhauses mit 500 Betten. „So ein Ultraschallgerät in Farbe werden wir kaufen“, ist sie sicher. „Qualitätsmanagement in Praxen war für viele der Gäste neu und spannend“, beobachtete Dr. Nolte. Gefachsimpelt wurde auch über Handwerkliches über die Laktatmessung. Die Fachgespräche dauerten bis in den Abend. Offenbar hatte die Praxis die Besucher überzeugt: Dr. Nolte nahm nicht nur zahlreiche Einladungen in die Kliniken seiner russischen Kollegen mit. Vier Mediziner wollten sich an Folgetage an Ort und Stelle gleich selbst von ihm durchchecken zu lassen.


Kasten
Auf der vierwöchigen Weiterbildungsreise im Rahmen eines Fortbildungsprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums besucht die Gruppe renommierte Häuser wie die Charité Berlin, das Universitätsklinikum Dresden und das Bundesgesundheitsministerium. Außerdem knüpfen sie Kontakte zu Unternehmen mit Dienstleistungen für das Gesundheitswesen wie SAP oder Siemens AG. Auch ein Besuch der Messe Medica stand auf dem Programm. Die Dresden International University, eine Tochter der TU Dresden, hat das Programm mit der Unternehmensberatung Arge Konsortium Neue Bundesländer zusammengestellt. (tra)

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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