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Deutsche Presseagentur, Juni 2010

Bonn (dpa/tmn) - Studienplätze in der Medizin sind hart umkämpft. Jedes Jahr warten tausende Bewerber vergeblich auf ihre Zulassung. Sie müssen ihren Berufswunsch aber nicht gleich begraben. Für manche lohnt es sich, auf eine Hochschule im Ausland auszuweichen. Das kann auch ein Türöffner an deutschen Unis sein. Doch nicht in allen Ländern werden diese Bewerber mit offenen Armen empfangen. Mitunter fallen happige Studiengebühren an, und die Rückkehr an eine deutsche Hochschule ist schwierig.

Generell ist die Konkurrenz im Rennen um einen Studienplatz in der Medizin im Ausland etwas geringer als in Deutschland. Auch an ausländischen Hochschulen übersteigt die Zahl der Bewerber aber die der Studienplätze, warnt der Deutsche Akademische Austauschbund (DAAD) in Bonn. Gerade in den deutschsprachigen Nachbarländern haben es hierzulande abgelehnte Kandidaten schwer. Die Universitäten in
Österreich und der Schweiz haben hohe Zugangshürden errichtet. Nach Angaben der Medizinischen Universität Wien werden nur 20 Prozent der österreichischen Medizinstudienplätze an Bewerber aus anderen EU-Ländern vergeben. Sie müssen sich dann in einem Test beweisen. Die Schweizer Universitätskonferenz (SUK) stellt ausländische Bewerber nur unter strengen Auflagen Schweizer Staatsbürgern gleich.

Außerhalb des deutschsprachigen Raums sind die Chancen größer. In Ungarn bieten die Semmelweis Universität in Budapest sowie die Hochschulen in Pécs und Szeged das Medizinstudium größtenteils sogar auf Deutsch und Englisch an. «Oft müssen in höheren Semestern Kenntnisse der ungarischen Sprache in einer Prüfung nachgewiesen werden», sagt Petra Ruthen-Murray von der Studienberatung «planZ»,
die zu Fragen des Auslandsstudiums berät. Bewerber sollten sich genau nach den Modalitäten der Studienplatzvergabe erkundigen. In Budapest beispielsweise entscheidet eine Kommission über die Aufnahme. Seit diesem Jahr bewirbt man sich ausschließlich online.

An den Universitäten in Prag, Zagreb, Riga sowie im ungarischen Debrecen und in Martin in der Slowakei gibt es ebenfalls englischsprachige Medizinstudiengänge. Auch Kanada, die USA und Australien gelten als beliebte Studienländer für angehende Ärzte.

Viele setzen darauf, ein im Ausland begonnenes Medizinstudium in Deutschland abzuschließen. Das gelingt nicht immer. «Es ist die Entscheidung der deutschen Hochschule, wen sie nimmt», erklärt Ramin Parsa-Parsi, der Leiter des Auslandsdienstes bei der Bundesärztekammer in Berlin. Er empfiehlt, schon vor der Studienaufnahme im Ausland einen späteren Wechsel mit der deutschen Universität abzuklären. «Erkundigen Sie sich, welche Scheine gebraucht werden und was die Universität erwartet.»

Für die Bewerbung an der deutschen Hochschule ist außerdem ein Bescheid des jeweiligen Landesprüfungsamtes nötig. Fehlende Studienplätze in höheren Semestern und sogenannte Teilstudienplätze gelten als zusätzliche Hürden. Studenten mit Teilplatz haben nach dem vierten Semester keinen Rechtsanspruch auf Fortsetzung im klinischen
Abschnitt, sondern besetzen Plätze von Studienabbrechern. Diese Konkurrenz macht es für Nachrücker aus dem Ausland schwerer.

Wer sein Studium komplett in EU-Ländern abschließt, hat es
leichter. «Diese Ausbildung wird automatisch anerkannt», sagt Ramin Parsa-Parsi. «Die Inhalte der Ausbildung sind geregelt, da gibt es wenig Bedenken.» Wer beispielsweise in Ungarn weiterstudiert, erhält automatisch die dortige Approbation. Auch für frisch gebackene Mediziner mit Auslandsabschluss führt der Weg nach Deutschland über das Landesprüfungsamt des Bundeslandes, in dem ihr Hauptwohnsitz liegen soll oder in dem der Arbeitgeber sitzt.

Das Auslandsstudium ist in der Regel keineswegs preiswert. An der Semmelweis Universität in Budapest sowie in Pécs und Szeged schlägt das Studienjahr mit 11 800 Euro zu Buche. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg nimmt 9960 Euro pro Jahr. Dazu kommen Immatrikulationsgebühren und Lebenshaltungskosten.

Medizinstudenten an deutschen Universitäten entscheiden sich zudem immer öfter, das obligatorische «Praktische Jahr» (PJ) im Ausland zu absolvieren. Dafür sprechen gute Gründe. «Das Arbeitsklima im Ausland habe ich sehr schätzen gelernt», sagt Henrik Berthel, der im Sprecherrat vom Marburger Bund die Interessen von Medizinstudenten vertritt. Der angehende Arzt arbeitet derzeit als «PJler» in einem Klinikum in der Schweiz. Obwohl er Arbeitsbelastung und Lebenshaltungskosten als «hoch» ansieht, will er nicht tauschen. «Ich kann jedem nur dazu raten», sagt er.

INFO-KASTEN: Studienplätze in der Medizin sind heiß begehrt

Für das Sommersemester 2010 haben sich laut der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) 16 322 Kandidaten in Deutschland auf 1536 Studienplätze in der Humanmedizin beworben. Somit kämpften mehr als zehn Bewerber um jeden Platz. Im Ausland ist die Konkurrenz
etwas geringer, die Lage aber keineswegs entspannt. Laut der
Schweizer Hochschulrektorenkonferenz bewarben sich 2010 rund vier Kandidaten um jeden Medizinstudienplatz. Ähnlich ist das Verhältnis in Österreich und Ungarn.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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