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Deutsche Presseagentur 30. Mai 2007

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Gesundheit/
(Zusammenfassung 0430 - dpa-Gespräch)
Experte: Alterskrankheit Demenz oft zu spät behandelt =

Dresden (dpa/sn) - Die Alterskrankheit Demenz ist nach Ansicht der Alzheimer Gesellschaft Sachsen zum Leidwesen der Betroffenen immer
noch ein Tabu-Thema. «Patienten kommen im Schnitt drei bis fünf Jahre zu spät zum Nervenarzt», sagte der Neurologe und Psychiater Dr. Friedemann Ficker am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur dpa. «Betroffene müssen eher den Arzt konsultieren und Mediziner Mut zu der Diagnose finden», forderte er im Vorfeld des Sächsischen Fachtages zu Demenz an der Evangelischen Hochschule für
Soziale Arbeit Dresden (30./31. Mai).

Mediziner würden sich mitunter wegen der hohen Therapiekosten vor der Diagnose drücken. «Jeder Monat zählt für die Therapie», appellierte Ficker, der Chefarzt des psychiatrischen Krankenhauses St. Marien in Dresden ist.
Bei rechtzeitiger Behandlung ließe sich die geistige Präsenz bei 70 Prozent der Patienten um ein Jahr verlängern und jeder fünfte könnte bis zu drei Jahre länger bewusst am Leben teilhaben. «Bei jedem Zehnten lässt sich diese Zeit auf bis zu vier Jahre strecken.» Stattdessen seien viele Patienten unterversorgt.

«Ein niedergelassener Allgemeinarzt mit durchschnittlich 1200 Patienten hat etwa 30 erkannte und unerkannte Demenzkranke», rechnete Ficker vor. «Maximal drei von ihnen werden behandelt.»

In einer Großstadt wie Dresden werden täglich drei Neudiagnosen gestellt. Bundesweit leben 1,2 Millionen Demenzkranke und jährlich kommen 225 000 hinzu. Nach Schätzungen der Alzheimer Gesellschaft erhalten im Osten nur rund 15 Prozent der Kranken eine Therapie mit modernen Medikamenten, im Westen 20 Prozent. Demenz bedeutet einen
unheilbaren Abbau des Gehirns. «Die Persönlichkeit des Menschen zerfällt ab einem bestimmten Stadium.» Bis dahin kehrten Betroffene die Symptome oft unter den Teppich, auch weil die Krankheit als gesellschaftliches Tabu gilt.

«Ich bin doch nicht verrückt», sei die typische Reaktion. Manche
verheimlichten die Behandlung durch den Nervenarzt und verweigerten die Mitarbeit. «Angehörige stehen dem oft hilflos gegenüber, obwohl sie die Veränderungen bemerken.» Ohne Fachwissen hätten sie aber gegenüber dem Arzt einen schweren Stand. «Angehörige müssen eine adäquate Therapie einfordern, dürfen nicht locker lassen», riet der Neurologe. Die Patienten seien in späteren Stadien dazu nicht mehr in der Lage. Die Gesellschaft wolle Laien in Vorträgen und Seminaren
aufklären und sensibilisieren.

(Internet: www.deutsche-alzheimer.de)

Gespräch: Katlen Trautmann, dpa
dpa
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Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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