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Sächsische Zeitung, 3. August 2007

Bitter und herb für den reinen Teint


Manche Menschen verputzen regelmäßig Schokolade und bleiben dennoch dünn. Warum stürzen andere trotz des ewigen Zählens von Kalorien von einem Jojo-Tief ins nächste? Weil letztere nicht passend zu ihrem Typ essen, antwortet zumindest die 3000 Jahre alte Lebens- und Ernährungslehre Ayurveda aus Indien. Und weil ihrer Nahrung Lebensenergie und eines oder mehrere der fünf Grundelemente fehlen: Wasser, Luft, Äther, Feuer und Erde gelten bei Ayurveda als Bausteine alles Existierenden. Gut gewähltes Essen hält die Elemente in der Balance. Stress, eintönige unregelmäßige Mahlzeiten, Schlaf abweichend zur inneren Uhr sowie „zu Tode“ gekochtes Essen bringen Durcheinander, sagt Aruna Bandara, Arzt am Zentrum für authentisches Ayurveda in Bad Feilnbach. Der Mediziner stammt aus einer Familie mit langer ayurvedischer Tradition in Sir Lanka und hat das Fach acht Jahre studiert.

Wer worauf zu welcher Zeit welches Essen verträgt, hängt vom individuellen Typ ab. Schon die Altvorderen ordneten ihre Mitmenschen einem der Haupttypen namens „Vatta“, „Pitta“ und „Kapha“ zu. Wer ein komplexbeladener dünner Intellektueller ist, zählt wahrscheinlich zur „Vatta“-Fraktion. Athleten oder Choleriker repräsentieren oft den „Pitta“-Prototyp. Stämmige Zeitgenossen, die Entscheidungen gern vor sich herschieben und ausladendes Essen lieben, sind häufig „Kapha“-Vertreter. Die tatsächliche Zuordnung ist etwas kompliziert – auch weil Mischtypen auftreten.

Bandara hält für eine Diagnose über den Typ mit dem Patienten Händchen – zum Fühlen des Pulses. Er fragt nach der Lebensweise, nach Vorlieben, dem Stuhlgang oder Schlafgewohnheiten. Eine Stunde kann es dauern, bis der Typ ermittelt und ein individueller Speisezettel zusammengestellt sind. „Heißes Wasser können alle Typen kaum genug trinken“, rät er. Fairerweise räumt er ein, sich selbst nur zu etwa 70 Prozent an die reine Lehre zu halten. Freundlichkeit und Ausgeglichenheit seien wichtiger als Essens-Fundamentalismus.

Essen nach Ayurveda schmeckt sehr lecker, aber „anders“. Bitteres und Herbes bekommen die 10000 Geschmackspapillen auf der Zunge öfter als in Mitteleuropa zu spüren. Diese Geschmacksrichtungen sollen im Kampf gegen Speckröllchen helfen. Mit süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend kennt Ayurveda zwei Geschmacksrichtungen mehr als die europäische Biologie. Großen Wert legen ayurvedische Köche auf das Verdauungsfeuer – liebevoll „Agni“ genannt. Es garantiert einen kräftigen Stoffwechsel. Die Verdauung wird mit Hilfe von Gewürzen angeheizt. Für das starke Immunsystem, geistige Agilität und die schlanke Taille ist das Gold wert, heißt es. Und so bergen ayurvedische Gewürzregale ein Vielfaches gegenüber der heimischen Auswahl. Echte Ayurveda-Häuser bereiten jedem Gast „sein“ individuell gewürztes Mahl entsprechend seiner Konstitution zu. „Eines-für-alle-Buffets“ fehlen. Die Ernährung nach Ayurveda dient nicht nur der guten Linie, sie entschlackt auch das Gewebe und kann dadurch Krankheiten wie Gicht oder Rheuma vorbeugen. Beschäftigen Sie sich mit dieser Form gesunder Ernährung am besten sofort. Der beste Zeitpunkt ist heute! Morgen wird nie der Start sein, das Morgen liegt viel zu weit weg. Sagt zumindest die Ayurveda-Lehre.

Katlen Trautmann

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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